Was die Angst alles kann…

Was die Angst alles kann! Sie kann fliegen, Wahlen gewinnen, Kriege führen, Mauern bauen, Gesetze machen und sie kann uns schützen – vor der Freude, vor der Liebe, vor der Freiheit,…

Was die Angst alles kann…
Was die Angst alles kann…
Sie kann fliegen, Wahlen gewinnen, Kriege führen, Mauern bauen, Gesetze machen und sie kann uns schützen – vor der Freude, vor der Liebe, vor der Freiheit,…

In einem sehr aufschlussreichen Interview von Jürgen Todenhöfer, einem deutschen Journalisten, mit einem deutschen IS-Kämpfer antwortet dieser auf die Frage, wie es denn möglich war, dass einige hundert IS-Kämpfer 30.000 Irakische Soldaten besiegen und die Stadt Mosul erobern konnten: „Wir gewinnen nicht durch Waffen oder die Anzahl von Männern, wir gewinnen durch Allah und die Furcht in den Herzen unserer Feinde.“

Diese und andere – scheinbar emotionslose – Aussagen dieses jungen Mannes berühren mich sehr, insbesondere, weil es so wirkt, als ob er keine Angst hätte. Worüber er noch nicht spricht, weil er sicher den Zugang dazu nicht hat, ist, dass er den „Islam“ benutzt, um daraus ein Verhalten abzuleiten, das die Angst in ihm bannen soll. Solange er denkt, alles im Griff zu haben und dem zu entsprechen, was von ihm gefordert wird, muss er sich auch nicht davor fürchten, von etwas überrollt zu werden, das er nicht will.

Die Angst, von der ich spreche, ist erlernt. Sie ist an entsprechende Gedanken gekoppelt, hat sich im Körper eingenistet und wird mit Worten wie „(be)kämpfen“, „siegen“ und „sich anstrengen (müssen)“ aufrechterhalten. Sie wirkt wie eine Barrikade und hat eine enorme Kraft, uns davon abzuhalten, wir selbst zu sein. Die einzige Frage, die mich in diesem Zusammenhang daher interessiert, ist, wie wir sie loswerden. Und wie werden wir auch Konzepte und Gedanken los, die behaupten, dass wir sie brauchen? Das, was oft mit „nützlicher Angst“ beschrieben wird, würde ich eher als intuitives oder bewusstes Vermeiden von dem, was uns nicht guttut, bezeichnen.

Immer, wenn ich den Satz „Ich bin frei!“ nicht nur denken, sondern in jeder Zelle meines Körpers spüren kann, weiß ich, dass die Angst keine Chance hat, mich zu irritieren. Und diesen Zustand, den ich zu Beginn meines Weges zu mir selbst nur für Augenblicke halten konnte, mitzunehmen in die Beziehung zu anderen, ist die Basis für alles, was ich mir aus tiefstem Herzen wünsche.

Was können wir tun, um angstfrei zu werden?
Der wichtigste Schritt meiner Erfahrung nach ist, zu akzeptieren, dass Angst in uns steckt, dass sie unsere Gedanken und Gefühle und Handlungen färbt, dass sie nicht lebensnotwendig ist und dass sie sich wandeln kann. Ich habe sehr lange dazu gebraucht, mir das einzugestehen.
Taucht eine konkrete Angst auf wie „Oh Gott, hoffentlich schwappt der Terror nicht auch noch auf Österreich über!“, reicht es, sich die Angst davor kurz bewusst zu machen, um nicht in sie hineinzukippen. Gleich danach stelle ich mir dann vor, was ich mir wünsche, so, wie wenn alles schon Wirklichkeit wäre. Neue Gedanken erzeugen neue Wirklichkeiten, neue Wirklichkeiten neue Möglichkeiten. Mir hilft dabei am meisten mein Humor. Daher habe ich mich im Internet auf die Suche gemacht und dieses Video mit einem Ausschnitt aus einem Kabarett von Michael Niavarani gefunden. Viel Vergnügen!

Allen, die das Gefühl haben, mehr zu brauchen, empfehle ich „Kraft meiner Angst, Ein Mutmachbuch bei Angst und Panikattacken“ von Judith Kirchmayr-Kreczi, Ennsthaler Verlag, Steyr 2012.

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