Ein Nein – und was daraus werden kann

Nicht die Veränderung tut weh, sondern das Erkennen, was wir alles auf uns genommen und zugelassen haben, um geliebt und anerkannt zu werden. Davon können nicht nur Andrea und ich einiges berichten.

Ein Nein – und was daraus werden kann
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Liebe Maria!

 

Heute am Morgen stürzte ein ganzer Schwall an Enttäuschung, Schmerz und Groll auf mich ein. Eine Spirale an schwächenden Energien zieht mich nach unten. Sagen wir, der Auslöser ist eine Art Nein, das mir jemand in einer Angelegenheit gegeben hat. Wäre an sich nicht weiter beunruhigend – wir haben ja gelernt, wie wichtig und wertvoll etc. diese Neins in Beziehungen sind. Aaaaaber – dieses hier lässt ein Jammertal aufploppen. So wie eine computeranimierte Landschaft in 3-D. Das kommt mir doch bekannt vor!?

 

Über Tage und Wochen habe ich mich gut gefühlt, meine Energien hochgehalten, mich jeden Morgen gefragt, was ich gerne erleben möchte, an allen nur erdenklichen Stellen des Tages beschwerliche Emotionen in Wunsch-Bilder umgedreht, meditiert, davon gesprochen, wie meine Zukunft aussehen wird – und in meinem neuen Leben spazieren gegangen. Alles fühlte sich echt und wahr und gut an. Energie pur. (Okay, vielleicht doch noch eine Anstrengung dabei?)

 

Und heute? „PLATSCH“!  Katerstimmung, depressive Verstimmung, körperliche Schmerzen. Es ist, als ob ein schöner langer Urlaub vorbei ist und das Nach-Hause-Zurückfinden ganz und gar unmöglich erscheint. Alles ist zu klein und zu eng geworden. Ich passe nicht mehr hinein!

 

Mich interessiert, wie es dazu kommt, derlei Grässlichkeiten noch in meinem Leben vorkommen und groß werden zu lassen? Durch welche Ritze sich das Alte hereinquetscht? Und wie es möglich ist, WIRKLICH loszulassen? Ganz in echt, mit allem – und wenn es bedeutet, jemand oder etwas für immer zu verlieren.

 

Schreibst du mir?

 

Andrea,

die sich am liebsten eine dicke Decke über den Kopf ziehen möchte.

 

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Liebe Andrea,

 

die „Grässlichkeiten“ kommen nicht, weil du Fehler machst oder „noch nicht toll genug bist“, sie kommen, um dich dabei zu unterstützen, alles sein zu lassen, WAS DIR NICHT ENTSPRICHT, was du nicht willst. Ich kenne das gut. Gerade gestern erst bekam ich so eine „Grässlichkeit“ geboten. Und heute bin ich dankbar, dass ich sie als das sehen und nehmen konnte, was sie war: eine Chance, ein altes Beziehungsmuster – hallo Papa 🙂 – aufzulösen, das mich auf eine höchst subtile, unsichtbare Art und Weise gefangen gehalten hatte.

 

Fertig im Sinne von „dann werf ich mich auf meine rosa Couch, kuschle mich in meine rosa Decken und steh nie wieder auf“ sind wir nie. Dazu ist das Leben viel zu spannend, hat uns viel zu viel zu bieten. Die Kunst besteht darin, mit dem, was wir erleben, immer wieder neu so umzugehen, dass wir eine bereichernde Erfahrung daraus machen können. Du tust das, indem du das, was ist, annimmst und dir im Anschluss daran bewusst machst, wie genau was in Zukunft sein soll. So, wie du es beschreibst.

 

Deine Schmerzen, deine „Katerstimmung“ kommen von einem „Rausch :-)“, vom Ende einer Illusion. Genau genommen tut dir die Entdeckung deiner Selbsttäuschung weh, das Erkennen, dass du immer noch auf etwas gewartet hast, auf etwas von außen. Das hat dir immer schon Schmerzen verursacht, doch du hast sie nicht gespürt, weil ja der „Alkohol“ alles übertüncht, weil er sie zugedeckt hat.

 

Aus deinen Zeilen lese ich noch gut versteckte Reste von Erwartung: „Wenn ich fleißig übe, mein Leben bewusst zu gestalten, dann wird derjenige das tun, dann wird diejenige Folgendes machen, dann wird mein Leben wunderbar.“ WennDann kommt aus dem Denken, ist kein Bestandteil des kreativen Weges. Lässt du dich vollkommen auf den kreativen Weg ein, nimmst du ALLES an, was kommt und vertraust darauf, dass es im besten Sinne geschieht, indem du zum Beispiel zu dir selbst sagst: „Ok, interessant, da (oder: so) geht es also nicht weiter!“

 

In Wahrheit hast du Grund, ZU FEIERN, meine Liebe!!! Das Ende der Erwartungs-Schmerzen, das Ende einer Illusion und somit den Anfang einer NEUEN FREIHEIT! Ein Nein zur „alten Andrea“ ist ein Ja zur „neuen Andrea“!  Klar, direkt, schnörkellos, weitsichtig, selbstliebend,…

 

Und weiter geht’s!

 

Alles Liebe

Maria

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